S´nôke

Volapük - Die Weltsprache


Einleitung

Kurzgrammatik

     Lautlehre

     Flexionslehre

          Deklination

          Konjugation

     Diverses

Sprachbeispiele


Einleitung

Volapük, zu Deutsch "Weltsprache" (aus Engl. world und speak), ist eine 1879 von dem Pastor Johann Martin Schleyer erdachte und veröffentlichte Plansprache, der es als erster (es gab ja schon seit dem Mittelalter plansprachliche Überlegungen) gelingen sollte, große Verbreitung zu finden und die auf mannigfache Art und Weise späteren Projekten, allen voran Esperanto, den Weg bereitete.

Volapük selbst geriet jedoch nach einigen erfolgreichen Jahren wegen innersprachlicher Schwierigkeiten (man sieht z.B. am Namen selbst, wie sehr das verwendete Material verfremdet ist), daraus entstandener Streitigkeiten um Reformen und auch wegen der Konkurrenz von Zamenhofs Esperanto mehr und mehr außer Gebrauch und war um die Jahrhundertwende schließlich fast völlig verschwunden. Auch später konnte es nie wieder eine Rolle spielen.

Heutzutage beschäftigen sich nur noch sehr wenige Leute damit, vor allem Esperantisten. Mit der folgenden kurzen Übersicht möchte ich dazu beitragen, diesen großartigen Entwurf und seinen philanthropischen Erfinder in Erinnerung zu halten.


Kurzgefasste Grammatik des Volapük


Volapük ist von 1879 bis heute einen weiten Weg gegangen und hat dabei einige Veränderungen erlebt.

Neben der Urform der Erstveröffentlichung durch Schleyer ("Volapük - Die Weltsprache - Entwurf einer Universalsprache für alle Gebildete [sic!] der ganzen Erde", Konstanz 1880) und den Erweiterungen und Reformen durch die 1887 gegründete Weltsprachegesellschaft, deren Zwistigkeiten einen Gutteil zum Untergang der Bewegung beitrugen, existiert eine um 1930 durch den Niederländer A. de Jong entstandene Umarbeitung ("Volapük II"), die heute im Allgemeinen verwendet wird und dieser Kurzgrammatik zugrunde liegt. Da es im Satzbau wenig Besonderheiten oder Abweichungen zum Deutschen gibt, fehlt im Folgenden eine Syntax.


Lautlehre

1.1 Das Alphabet des Volapük besteht aus folgenden 27 Buchstaben:
a, b, c, d, e, f, g, h, i, j, k, l, m, n, o, p, r, s, t, u, v, x, y, z, ä, ö, ü

Mit Majuskeln beginnen Satzanfänge und Eigennamen. Mit Ausnahme der folgenden werden die Buchstaben wie im Deutschen ausgesprochen:
-c entspricht tsch oder dsch
-j entspricht stimmhaften oder -losen sch
-y wird wie j gesprochen
-v wird wie w, nie wie f gesprochen

1.2 Alle Wörter und Wortformen des Volapük sind endungsbetont (Ausnahme s. § 3.5). Wurzeln beginnen mit und enden auf Konsonanten. Wegen des Plural-s' darf kein Wort auf c, j, s, x oder z enden. Die Wurzeln sind, wenn möglich, einsilbig.


Deklination

2.1 Grundlage des Flexionssystems ist im Volapük das Substantiv, weil sich von ihm Adjektive und Verben ableiten.
Es gibt die vier (bzw. fünf) Kasus Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ (und Vokativ) und zwei Numeri Singular und Plural wie im Deutschen, die in ihrer Anwendung folglich keine Probleme bereiten. Es existiert weder ein bestimmter noch ein unbestimmter Artikel, fremde Eigennamen und Wortformen, die im Volapük nicht dekliniert werden können oder sollen, werden allerdings mit dem Wörtchen ´el´, das die Endungen annimmt, gekennzeichnet und flektiert.
Es gibt kein grammatisches Geschlecht (Genus); natürliches Geschlecht (Sexus) wird durch die Voransetzung von ´ hi-´ "er" bzw. ´ji-´ "sie" gekennzeichnet.

2.2 Deklination am Beispiel men "Mensch"; jeder Kasus wird durch einen Vokal signalisiert, der Plural immer durch Anfügen von ´s´ gebildet.

  Singular Plural
Nominativ men mens
Genitiv mena menas
Dativ mene menes
Akkusativ meni menis
Vokativ o men o mens


2.3 Das Adjektiv werden mit Hilfe der Endung ´-ik´ von den Substantiven abgeleitet. In attributiver Stellung (direkt hinter dem Bezugswort) wird es nicht dekliniert. In anderer Stellung flektiert es wie das Substantiv.
Z.B. men -> menik "menschlich"; menes gudik, aber gudikes menes "den guten Menschen".
Steigerung: gudik - gudikum - gudikün "gut - besser - am besten"

2.4 Das Adverb wird mittels der Endung "-o" abgeleitet, in der Regel vom Adjektiv: gudiko "wohl".
Mit der Genitiv- bzw. Akkusativendung drückt es Herkunft bzw. Richtung aus: detao "von rechts", detio " nach rechts" von det "Rechte".

2.5 Personalpronomen

Person Singular Plural Bedeutung
1. Person ob obs ich; wir
2. Person ol ols du; ihr (formlos)
or ors Sie (formell)
1. + 2. Person od ods ich oder du; ich/wir u. ihr (selten)
3. Person on ons er, sie, es; sie(Pl.) (allg. Pronomen; sexusneutral)
om oms er; sie(Pl.) (männlicher Sexus)
of ofs sie; sie(Pl.) (weibliche Entsprechung)
oy - man (indefinite Endung)
os - es (unpersönliches Pron., wenn ein Subjekt fehlt)


Konjugation

3.1 Auch die Konjugation gestaltet sich nach eingängigen Regeln. Ein Verb wird konjugiert, indem man vor den Stamm (=Substantiv) mit dem Tempusvokal prä- und dem Personalpronomen suffigiert.
Z.B.: stop "Halt", stopob "ich halte", stopoms "sie(mehrere Männer) halten"; nif "Schnee", nifos "es schneit" usw.

3.2 Ähnlich dem Deutschen gibt es von jeder der drei Zeitstufen ein perfektes (Plusquamperfekt, Perfekt, Futur II) und ein neutrales/imperfektes (Imperfekt, Präsens, Futur I) Tempus sowie ein zu einem Vergangenheitstempus nachzeitiges neutrales/imperfektes ("Futurum praeteriti") bzw. perfektes ("Futurum perfecti") Tempus. Übersicht:

Tempus Futur I Futur II Präsens Perfekt Imperfekt Plusquamperfekt Fut. praet. Fut. perf.
Vokal o u a1 e ä i ö ü

1nur im Passiv

Mit Hilfe der Tempusvokale können sogar Adverbien gebildet werden: del "Tag", adelo "heute", odelo "morgen".

3.3 Das Passiv wird durch Voransetzen von ´p-´ vor den Tempusvokal gebildet. Daraus und dem Obigen ergeben sich folgende Beispielformen:
kredob "ich glaube", estopof "sie hat gehalten", ustopoy "man wird gehalten haben", inifos "es hatte geschneit", palöfol "du wirst geliebt", polöfods "wir werden geliebt werden" usw.

3.4 Daran kann man die weiteren Endungen anhängen und so eine Fülle von Formen bilden:
3.4.1 Infinitiv: ´-ön´
        stopön "halten", pelöfofön "geliebt worden sein" (von einer Frau gesagt) usw.
3.4.2 Partizip: ´-öl´
        stopomöl "haltend" (von einem Mann); olöfodöl "lieben werdend" (von dir und mir) usw.
3.4.3 Imperativ: ´-öd´
        löforöd! "lieben Sie!"; ekredolsöd! "habt geglaubt!" usw.
3.4.4 Adhortativ: ´-ös´
        stopomös "er soll bitte halten" usw.
3.4.5 Konditional: ´-öv´
        pälöfoböv "ich wäre geliebt worden" usw.

3.5 Interrogativ und Konjunktiv
Satzfragen werden durch mit Bindestrich nachgestelltes ´-li´ ausgedrückt, das zur Betonung aber auch an andere Worte im Satz gehängt werden kann: venors-li? "kommen Sie?".
Wie dieses verschiebt auch das ebenso angehängte ´-la´ nicht den Akzentsitz des Verbs. Es markiert den Konjunktiv in Nebensätzen: Nolól-li, va epenóm-la? "Weißt du, ob er geschrieben hat?"


Diverses

4.1 Konjunktionen
Neben den bereits vorhandenen einfachen Konjunktionen, z.B. das "dass", e(d) "und", kann man durch Anhängen von ´-ä´ an andere Wortarten eine große Anzahl weiterer Konjunktionen bilden.
Z.B. to "trotzdem", toä "obwohl"; kod "Ursache", kodä "weswegen" usw.

4.2 Interjektionen
Auf gleiche Weise werden neben den bereits vorhandenen (z.B.si "ja", nö "nein") Interjektionen mit angehängten ´-ö´ gebildet.
Z.B. yuf "Hilfe", yufö! "Hilfe!"; stop "Halt", stopö! "Halt!" usw.


Sprachbeispiele

5.1 Ein wunderschönes Dokument angewandten Volapüks ist die Internetseite von Arden. R. Smith.