Neue Rechtschreibung

Acht Thesen zu einer neuen deutschen Rechtschreibung


Ziel dieser Thesen ist es, die Schreibung der neuhochdeutschen Standardsprache so zu reformieren, dass sowohl das fehlerfreie Schreiben als auch das Lesen für jeden durchschnittlich Sprachbegabten möglich sei, somit die Beseitigung der jetzigen untragbaren Situation, an der auch die aktuelle halbherzige Reform wenig ändern konnte.


Hierfür gelten folgende Prämissen:


Daraus ergeben sich folgende Neuregelungen:

  1. Abschaffung überflüssiger Buchstaben(kombinationen): v, x, y, q, ß, und ph fallen weg, c bleibt nur in Digraphen (<ch> für [x, ç] und sc, s.u) erhalten, z wird als Affrikate ebenfalls beibehalten. Rein graphische Doppelkonsonanz entfällt (kippen > kipen, von > fon, quollen > kwolen, platzen > plazen, syn- > sün-)

  2. Allographe entfallen, Kurzvokal wird einfach notiert, langes i e a o u durch Zirkumflex (wie im Mittelhochdeutschen), jedoch langes ü ä ö wird ue, ae bzw. oe geschrieben. /ai/ wird in allen Fällen durch <ei>, /oi/ durch <eu> bezeichnet (hier > hîr, los > lôs, käsig > kaesig, häuten > heuten, kaiserlich > keiserlich).

  3. Jedem Graphem ist i.d.R. ein Phonem zugeordnet. Stimmloser Sibilant wird durch <ss>, stimmhafter durch <s> bezeichnet, aber nur dort, wo eine Unterscheidung in echtdeutschen Wörtern nötig ist (d.i. im Inlaut zwischen Vokalen). <e> steht für den geschlossenen, <ä> für den offenen E-Vokal. Da es kein kurzes geschlossenes e gibt, wird der einfache Graph <e> aus praktischen Gründen wie bisher für den Neutralvokal verwendet. <sch> und seine Allographen werden zu <sc> vereinheitlicht (reißen > reissen, Schoß > scôss (§4), spielen > scpîlen).

  4. Auslautvarianten werden nicht notiert, wenn sie synchron klar als solche erkennbar sind (êr wird nach wärden, dêr tâg nach Gen. tâges). In synchron nicht entscheidbaren Fällen (Partikeln etc.) wird phonetisch geschrieben (und > unt, weil nur historisch entscheidbar).
    Der Einheitlichkeit halber wird das morphematische Orthographieprinzip im Auslaut für Konsonanten beibehalten, z.B. grôss nach dem obliquen Stamm grôssen. Als Leitformen gelten jeweils der Nominativ Plural (Nomina) bzw. die 1. Person Plural (Verben).

  5. Homonyme werden auch als Homographe geschrieben, die künstliche Trennung ist unnötig (Stil/Stiel > sctîl).

  6. Groß werden nur noch Satzanfänge und substantivische Eigennamen geschrieben.

  7. Kommata werden nach den tatsächlichen Pausen der fließenden Rede gesetzt (also in etwa wie in der jetzigen Regelung).

  8. Die Getrennt- bzw. Zusammenschreibung in Verbalformen orientiert sich ebenfalls an der 1. Person Plural (uebersäzen zu wîr uebersäzen, aber ueber säzen zu wîr säzen ueber).


Von den sechs Orthographieprinzipien sind also das morphematische, grammatische, historische, lexikalische und ästhetische Prinzip zugunsten des phonematischen gänzlich oder zum Teil eliminiert worden, die Anzahl der Mehrgraphen wurde deutlich reduziert, Allographe fast völlig beseitigt.


Zwei Beispieltexte sollen das Gesagte veranschaulichen:


Däs scländriâns macht ist rîsengrôss: / Macht himelskräfte wirkungslôs.
Ärfassen dî bloeden nicht feinere geister, / Sô sint sî doch im scpoten meister.
Im härzen kälte, im scaedel dunst - / Das ist dêr scpöter ganze kunst.
Wän dî haene auch nicht kraen, / Wird man´s frue doch tâgen sên. (J. M. Schleyer)


Bedäke deinen himel, Zeuss, / Mit wolkendunst!
Unt uebe, dêm knâben gleich, dêr disteln köpft, / An eichen dich unt bärgeshoen!
Musst mir meine êrde/ Doch lassen sctên.
Unt meine hüte,/ Dî dû nicht gebaut,/ Unt meinen hêrd,/
Um dässen glût/ Dû mich beneidest.(Goethe, Prometheus)