Die 1905 kreierte Esperanto-Fahne

Esperanto -Was war das doch gleich?

Sie kennen Esperanto nicht oder haben nur mal vage -wahrscheinlich im negativen Ton- davon gehört und möchten endlich mal Genaueres darüber erfahren? Dann gehören Sie zur großen Mehrheit der Deutschen, die von diesem Thema nichts oder so gut wie nichts wissen. Das Schlimme ist, dass viele trotzdem meinen, über die Sprache urteilen zu können, also lassen wir besser die nüchternen Fakten sprechen:


Im Jahre 1887 veröffentlichte der russisch-jüdische Augenarzt Lejzer Ludovic Zamenhof (1859-1917) unter dem Pseudonym "Dr. Esperanto" das erste Lehrbuch der von ihm entworfenen Plansprache. Das Pseudonym wurde schnell zum Namen der Sprache.

Nach langsamem Start verbreitete sich Esperanto zusehends und schaffte es, vom Entwurf nicht nur zu einer angewandten, sondern als einziges von rund 1000 Plansprachenprojekten auch zu einer lebenden Sprache (sogar mit Muttersprachlern) zu werden.
1905 fand in Boulogne-Sur-Mer der erste Esperanto-Weltkongress statt, 1908 wurde der Esperanto-Weltbund gegründet. Die beiden Weltkriege, die Verfolgung und Ermordung von Esperantisten v.a. unter Hitler und Stalin und von selbsternannten Experten propagierte "Verbesserungen" der Sprache selbst konnten die Bewegung nicht zerstören; heute wird Esperanto in über 100 Ländern von einer nicht schätzbaren Anzahl (30 000?, 500 000?, drei Millionen?) Menschen gesprochen.

Zamenhof hatte im Ghetto von Białystok selbst schmerzlich erlebt, wozu gegenseitiges Unverständnis und Unwissen führen können und was es heißt, wenn einem in der Schule ein Sprache aufgezwungen wird (seinerzeit dort das Russische, heute hier das Englische), weshalb in ihm schon früh der Gedanke reifte, dass eine einfache und vor allem neutrale Sprache, die jedermann leicht und schnell erlernen kann und mit der jeder einen Schritt auf den anderen zugeht, bedeutend zum gegenseitigen Verständnis über Sprachbarrieren hinweg und so zum Abbau von Vorurteilen beitragen kann. Diese Idee einer gerechten, friedenssichernden Völkerverständigung nennt man interna ideo des Esperanto.

Ziel des Esperanto ist es nicht, alle anderen Sprachen zu verdrängen -im Gegenteil, den Esperantisten geht es gerade auch um den Erhalt der "kleineren" Sprachen-, sondern, wie oben beschrieben, eine einfache und gerechte weltweite Kommunikation.
Entgegen der Vorurteile ist Esperanto auch nicht "Volksverdummung", "unsprechbar" (Wie sagte schon vor 90 Jahren der große Indogermanist Antoine Meillet: "Jede theoretische Diskussion ist sinnlos: Esperanto funktioniert."), "steril" oder "ohne Kultur", im Gegenteil, neben einer reichhaltigen Originalliteratur (der Esperanto-Dichter William Auld war schon zweimal für den Literatur-Nobelpreis nominiert) liegt in der internationalen Sprache auch die größte Anthologie verschiedenartiger Weltliteratur vor - mehr als man in seinem Leben lesen kann.



Bisher ist Esperanto aber trotz aller Argumente (die ich hier gar nicht alle aufzählen will) von der Politik aufgrund mangelnder Information und des Fehlens einer wirklichen Massenbewegung beständig ignoriert worden, weshalb der allgemeine Durchbruch noch ausgeblieben ist.
Es liegt also an den einfachen Menschen, diese schon heute nützliche Sprache zu lernen, um eine Europa- oder Weltsprache Englisch (oder Spanisch oder Chinesisch...) und damit eine kulturelle Einbahnstraße aus dem jeweiligen Sprachgebiet zu verhindern.


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